Franchise Marktanalyse: Expansion und Standortwahl datenbasiert planen

Franchise-Systeme leben von Wiederholung: Ein bewährtes Konzept soll an immer neuen Standorten erfolgreich funktionieren. Genau darin liegt jedoch auch das Risiko. Ein Standort, der auf den ersten Blick vielversprechend erscheint, kann sich als teurer Fehlgriff erweisen. Gleichzeitig kann ein vermeintlich unscheinbarer Standort wenige Straßen weiter zum Umsatztreiber werden.

Der Unterschied liegt häufig nicht im Konzept selbst, sondern in einer fundierten Franchise Marktanalyse, die vor der Standortentscheidung durchgeführt wird und nicht erst danach Erklärungen für unerwartete Entwicklungen liefern muss.

Wer eine Franchise-Expansion plant, sollte daher nicht allein auf Erfahrungswerte oder freie Gewerbeflächen vertrauen. Belastbare Standort- und Marktdaten schaffen die Grundlage für wirtschaftlich tragfähige Entscheidungen und helfen dabei, Potenziale frühzeitig zu erkennen.

Warum die Standortwahl im Franchise-System über den Erfolg entscheidet

Anders als bei einer klassischen Unternehmensgründung gibt es bei der Standortwahl im Franchising meist nur einen Versuch. Die Investition ist bereits getätigt, die Marke wird vor Ort positioniert und ein zweiter Anlauf ist für viele Franchisenehmer wirtschaftlich kaum darstellbar.

Für Franchisegeber kommt eine weitere Herausforderung hinzu:
Jeder neue Standort beeinflusst das bestehende Filialnetz. Wird eine neue Filiale ungünstig platziert, kann sie bestehenden Standorten Umsatz entziehen, anstatt zusätzliches Marktpotenzial zu erschließen.

Damit wird die Standortentscheidung zu einer Datenfrage:

  • Wie groß ist das tatsächliche Einzugsgebiet?
  • Wie viele Personen der relevanten Zielgruppe leben dort?
  • Wie hoch ist die regionale Kaufkraft?
  • Welche Wettbewerber sind bereits vorhanden?
  • Gibt es bestehende Standorte der eigenen Marke in der Nähe?
  • Wie hoch ist das Risiko einer Kannibalisierung?

Eine professionelle Franchise Standortanalyse beantwortet diese Fragen, bevor Mietverträge unterzeichnet oder Gebiete vergeben werden.

Franchise Expansion planen: Die drei Bausteine einer professionellen Standortanalyse

Eine belastbare Franchise Marktanalyse basiert in der Regel auf drei zentralen Datenebenen.

1. Soziodemographische Daten und Kaufkraft

Wie viele Menschen leben im Einzugsgebiet? Welche Altersstruktur weisen sie auf? Über welches Einkommen verfügen sie?

Je nach Franchise-Konzept unterscheiden sich die relevanten Zielgruppen erheblich. Ein Fitnessstudio adressiert andere Bevölkerungsgruppen als ein Bäckerei-Franchise, ein Bildungsanbieter oder ein Dienstleistungskonzept. 

Kaufkraftdaten auf Postleitzahl- oder Gemeindeebene zeigen zusätzlich, ob das wirtschaftliche Potenzial eines Gebietes zum jeweiligen Geschäftsmodell passt.

2. Wettbewerbsanalyse und Standortumfeld

Neben der Zielgruppe entscheidet das Umfeld über den Erfolg eines Standorts.

Wichtige Fragen sind:

  • Wie viele vergleichbare Anbieter befinden sich bereits im Markt?
  • Welche Frequenzbringer wie Supermärkte, Einkaufszentren oder Bahnhöfe befinden
    sich in der Nähe?
  • Wie stark ist der Wettbewerb?
  • Gibt es bereits eigene Filialen im relevanten Einzugsgebiet?

Gerade bei wachsenden Franchise-Systemen spielt die Bewertung möglicher Kannibalisierungseffekte eine zentrale Rolle. Ziel ist es, zusätzliches Marktpotenzial zu erschließen und nicht lediglich bestehende Umsätze zu verlagern.

3. Erreichbarkeit und Einzugsgebiet

Nicht der Luftlinienradius auf einer Karte entscheidet über den Erfolg eines Standorts, sondern die tatsächliche Erreichbarkeit.

Moderne Standortanalysen arbeiten daher mit Fahrzeit- und Fußgängerzonen anstelle einfacher Umkreise. Dadurch entsteht ein wesentlich realistischeres Bild des tatsächlichen Einzugsgebiets und des verfügbaren Marktpotenzials.

Erst die Kombination aus Zielgruppen-, Kaufkraft-, Wettbewerbs- und Erreichbarkeitsdaten ermöglicht belastbare und vergleichbare Standortentscheidungen.

Praxisbeispiel: Wie „GreenBrot“ seine Franchise-Expansion plante

Das folgende Beispiel dient ausschließlich der Veranschaulichung und beschreibt kein reales Franchise-System.

Das Bio-Bäckerei-Franchise „GreenBrot“ betreibt zwölf Standorte in Nordrhein-Westfalen und plant, innerhalb von zwei Jahren auf 25 Filialen zu wachsen.

Anstatt ausschließlich auf verfügbare Gewerbeflächen zu reagieren, ließ das Unternehmen vorab eine umfassende Franchise Marktanalyse durchführen.

Die Ergebnisse zeigten, dass sich die Kernzielgruppe von GreenBrot, Haushalte mit überdurchschnittlicher Kaufkraft sowie einem Altersschwerpunkt zwischen 30 und 55 Jahren, in bestimmten Stadtteilen mittelgroßer Städte konzentriert. Die teuersten Innenstadtlagen erwiesen sich dabei nicht automatisch als die attraktivsten Standorte.

Die Analyse der bestehenden Filialen machte zudem deutlich, dass zwei ursprünglich geplante Standorte zu nah an vorhandenen Filialen gelegen hätten. Die berechnete Kannibalisierungsquote lag in beiden Fällen bei über 20 Prozent.

Stattdessen identifizierte die Auswertung drei bislang unerschlossene White Spots: Gebiete mit hoher Zielgruppendichte, passender Kaufkraft und gleichzeitig geringer Wettbewerbsintensität.

Für die Franchise-Zentrale ergaben sich daraus mehrere Vorteile:

  • Standortempfehlungen basieren auf objektiven Kennzahlen statt auf Vermutungen.
  • Gebietsentscheidungen werden nachvollziehbarer.
  • Konflikte um Gebietsschutz lassen sich sachlich bewerten.
  • Neue Franchisenehmer erhalten eine fundierte Entscheidungsgrundlage.

Franchise-Gebiete optimieren: Von der Standortanalyse zur Gebietsplanung

Mit zunehmender Größe eines Franchise-Systems reicht die isolierte Betrachtung einzelner Standorte nicht mehr aus.

Dann stellt sich die Frage, wie das gesamte Gebietsnetz aufgebaut sein sollte:

  • Wo verlaufen sinnvolle Franchisegebietsgrenzen?
  • Wie lassen sich Potenziale fair verteilen?
  • Welche Regionen eignen sich für weitere Expansionen?
  • Wo drohen Überlappungen und Umsatzverlagerungen?

Eine reine Postleitzahlenbetrachtung liefert darauf keine ausreichenden Antworten. Erst die Verknüpfung von Gebietsgrenzen mit Bevölkerungsdaten, Kaufkraftkennzahlen, Wettbewerbsinformationen und Erreichbarkeitsanalysen zeigt, ob ein Gebiet langfristig wirtschaftlich tragfähig ist.

So können Franchisegeber neue Standorte systematisch entwickeln und gleichzeitig die Interessen bestehender Franchisenehmer berücksichtigen.

 

FAQ zur Franchise Marktanalyse

Wie funktioniert eine Franchise Marktanalyse?

Eine Franchise Marktanalyse bewertet das wirtschaftliche Potenzial eines Standorts anhand von Kaufkraft-Bevölkerungs-, Wettbewerbs- und Erreichbarkeitsdaten.

Welche Daten sind für die Standortwahl im Franchising besonders wichtig?

Zu den wichtigsten Faktoren gehören Kaufkraft, Zielgruppenstruktur, Wettbewerbssituation, Frequenzpotenziale sowie die Größe des tatsächlichen Einzugsgebiets.

Was sind White Spots im Franchising?

White Spots sind Regionen mit hohem Marktpotenzial und gleichzeitig geringer Wettbewerbsintensität. Sie gelten häufig als besonders interessante Expansionsgebiete.

Wie lässt sich Kannibalisierung zwischen Franchise-Standorten vermeiden?

Durch die Analyse von Einzugsgebieten, Fahrzeiten und Zielgruppenüberschneidungen können mögliche Umsatzverlagerungen zwischen bestehenden und geplanten Standorten frühzeitig erkannt werden.