Durch die Kombination der Bewegungsdaten mit dem Wissen über weitere Eigenschaften, Lebensweisen und Umständen, werden komplexe Zusammenhänge offenbar. Sie erfahren nicht nur woher die Leute kommen, sondern auch wie alt sie sind, welche Kaufkraft mitbringen und wie sie „ticken“. Die Bewegungsdaten sind dadurch auf vielen Ebenen für verschiedene Unternehmen und Institutionen von Interesse. Einzelhändler und Filialisten verstehen besser, wo die Zielgruppe unterwegs ist. Städte und Kommunen erhalten eine Übersicht, von wo Menschen z.B. Sehenswürdigkeiten oder Events besuchen. Bewegungsdaten werden für verschiedene Bereiche eingesetzt. Dazu zählen insbesondere:
Die Methodik: So funktioniert die Erfassung von Bewegungsdaten
Die methodische Erfassung von Bewegungsdaten innerhalb eines definierten Betrachtungsraums – bezeichnet als Geofence – wie etwa in einer Fußgängerzone, eines Shoppincenters oder eines Einzelhandelsgeschäfts, erfolgt nach bestimmten Kriterien, um so relevante Daten zu gewinnen und gleichzeitig die Privatsphäre von Individuen sicher zu stellen.
1. Was ist ein Geofence?
Der Bereich, der analysiert werden soll, wird mit Hilfe eines Geofences eingegrenzt (Geografischer „Zaun“). Das kann frei definiert werden, angefangen bei einem kleinen Kiosk, über einen Supermarkt, Einzelhandel oder ein ganzer Innenstadtbereich. Durch den Geofence können die Bewegungsströme innerhalb dieses Bereichs genau erfasst und ausgewertet werden.
2. Besuchererfassung
Grundsätzlich werden alle Individuen erfasst, die den Geofence betreten und deren Home- und Workzone nicht im definierten Analysegebiet liegen. Das hilft bei der Fokussierung auf „echte“ Besucher des Gebiets und minimiert die Erfassung von Personen, für der im Geofence definierte Raum Teil ihrer täglichen Routine ist, zum Beispiel auf dem Weg zur Arbeit.
3. Ausschluss von Anwohnern und Anrainern
Ohne Ausschluss wäre das Analyseergebnis der Bewegungsdaten verfälscht: Anwohner, Anrainer oder Arbeitnehmer mit Arbeitsstätte im Analysegebiet werden von der Auswertung ausgeschlossen.
4. Zweck des Aufenthalts kann nicht abgeleitet werden
Die Erfassung der Bewegungsströme unterscheidet nicht nach dem Zweck des Aufenthalts. Ob nun touristische Aktivitäten, Einkäufe oder private Besuche – über die Bewegungsdaten lassen hier logischerweise keine exakten Rückschlüsse zu, ebenso wenig wie das gewählte Verkehrsmittel.
5. Mindestaufenthaltsdauer
Damit reiner Durchgangs- oder Transitverkehr die Aussagekraft der Analyse nicht verfälschen, wird eine Mindestaufenthaltsdauer im Geofence definiert. Daraus folgt, dass Personen unterhalb der Mindestaufenthaltsdauer nicht in der Analyse berücksichtigt werden.
6. Repräsentative Hochrechnung
Die erfassten Bewegungsdaten werden mit statistischen Methoden auf die Gesamtbevölkerung hochgerechnet. Dies ermöglicht es, aus der Stichprobe der Devices, die innerhalb des Geofences Bewegungsdaten senden, Rückschlüsse auf das Gesamtverhalten der Bevölkerungsgruppen zu ziehen.
7. Zeitversatz der Daten
Die Verwendung von Echtzeit-Daten technischen und datenschutzrechtlich nicht möglich. Es wird ein Mindestversatz von einem Monat eingehalten, danach stehen die Daten zur Analyse bereit. Dies dient dem Schutz der Privatsphäre. Die Datenverarbeitung entspricht allen gesetzlichen Anforderungen.
Diese Methodik und Vorgehensweise stellt sicher, dass die Bewegungsdaten relevante und aussagekräftige Informationen über die Besucherströme innerhalb des definierten Geofences liefern. Dabei kommen Datenschutz und die Anonymität der erfassten Personen nicht zu kurz und werden selbstverständlich stets gewährleistet.
Die wichtigsten Anwendungsgebiete der Bewegungsdaten
Messung von Passanten- bzw. Besucheraufkommen
Bewegungsdaten sind ein wirkungsvolles Tool, um Bewegungsströme von Passanten und Touristen an definierten Orten zu messen. Daraus ergeben sich spannende Anwendungsfelder:
- OOH Mediaplanung (Out-of-Home)
Die Planung und Optimierung von Standorten für Außenwerbung wie Plakate oder digitale Bildschirme - Standortplanung
Durch Hinzunahme der Bewegungsdaten können (potenzielle) Standorte besser bewertet und eingeordnet werden. - Ermittlung des Umsatzpotenzials
Vergleichen Sie durch Hinzunahme der Bewegungsdaten Umsatzpotenziale für verschiedene Filialstandorte. - Marktetingcontrolling
Messen Sie die Wirksamkeit ihrer Marketingmaßnahmen, indem Sie die Bewegungsdaten dazu heranziehen. - Reduktion von Streuverlusten
Durch die Identifikation der „Homezones“ und die Hinzunahme weiterer Marktdaten werden Streuverluste reduziert.